Großbaustelle des Jahres

- Ausgangssituation
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1. Tag: Vorbereitung von Boot und Heck
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2. Tag: Ansetzen des neuen Hecks
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3. Tag: Innennaht und Oberschiff
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4. Tag: Unterschiff
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5. Tag: Außennaht
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6. Tag: Innenausbau

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Ausgangssituation

Nach Paddelbruch und Kenterung trieb das fast neue Boot eine wuchtige Stufe hinunter. Einige 100 Meter stromabwärts konnte es zwar geborgen werden, die letzten 70 Zentimeter jedoch waren abgebrochen und wurden nie wieder gesehen. Ansonsten war das Boot aber noch in bemerkenswert gutem Zustand: Cockpitbereich und verbleibendes Heck waren nahezu unbeschädigt, die Risse im Bug reichten nicht bis in die Innenschicht. Ein Wiederaufbau erschien damit lohnenswert.

Die Aussage der Herstellerfirma jedoch war ähnlich vernichtend wie zuvor die Wassermassen. Ein neues Heck anzulaminieren würde ähnlich viel kosten wie ein neues Boot. Als Alternative wurde ausgehandelt, daß ein 80 cm langes Heckteil eigens angefertigt wird. Der Preis dafür hielt sich mit etwa 200 Euro in Grenzen. Geliefert wurde dafür ein, bis auf die Außennaht, fertig montiertes Heck.

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1. Tag: Vorbereitung von Boot und Heck

Zunächst gilt es, Boot und Heck aneinander anzupassen. Dabei ist es zweckmäßiger, das Boot an das Heck anzupassen als umgekehrt, da die sauberen Schnittkanten des neuen Hecks wesentlich leichter nachzubilden sind als die unregelmäßigen Bruchkanten am Boot. Die einzige Arbeit am Heck besteht darin, 45-Grad-Winkel in die Schnittflächen zu schleifen, um später das Ersatzteil auf den Stumpf aufsetzen zu können und sich so das Ausrichten des neuen Hecks zu erleichtern.

Wesentlich schwieriger ist das Ganze am Boot. Hier wird zunächst Scheibe für Scheibe abgesägt, bis die Breite an der Schnittfläche nur noch wenig kleiner als die des neuen Hecks ist. Bereits jetzt wird versucht, die Schnitte exakt rechtwinklig zur Längsachse des Bootes zu führen, um so die spätere Feinanpassung zu erleichtern.

Die Feinarbeiten schließlich werden mit dem Dremel gemacht. Hier wird von vornherein ein 45-Grad-Winkel passend zu dem am neuen Heck geschliffen. Zuletzt wird in ständigem Wechsel geschliffen und angehalten, bis sich das neue Heck bündig und gerade auf den Stumpf setzten lässt. Zuletzt wird einige Zentimeter vor der Schnittkante die Außennaht mit Sägeschnitten durchtrennt und entfernt.

Der Sitz wäre bei den weiteren Arbeiten im Weg und wird daher ausgebaut. Auch die Reste der Schaumkeile müssen entfernt werden. Eigentlich könnte jetzt das Heck angesetzt werden. Ein Blick auf die Uhr sagt aber etwas ganz anderes: Feierabend!

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2. Tag: Ansetzen des neuen Hecks

Die mit Abreißgewebe gefertigten Innenflächen von Boot und Heck müssen nur noch leicht angerauht werden. Die Kohle/Kevlar-Matten werden mit Harz vorgetränkt. Dazu wird eine glatte Fläche wie ein Stück Pappe mit Folie bespannt und die Gewebelagen, hier 3, samt Abreißgewebe darauf laminiert.

Nachdem die Klebeflächen mit Harz eingestrichen wurden, werden die aufgrund ihrer Dicke recht steifen Matten im Boot angesetzt, so daß sie zur Hälfte herausragen. Der Bereich um die Kanten bleibt dabei frei, er wird erst später verklebt. Jetzt kann das neue Heck über die aus dem Boot herausragenden Matten geschoben und auf den Stumpf aufgesetzt werden.

Jetzt wird das Heck ausgerichtet und mit reichlich Klebeband und kurzen Leisten fixiert. Eine Unterlage unter der Spitze verhindert dabei, daß das Heck der Schwerkraft nachgibt und sich vor dem Aushärten des Harzes doch noch nach unten biegt.

Das Andrücken der Gewebematten an die Innenwand ist nicht ganz einfach, insbesondere am Oberschiff will die Matte gerne wieder abfallen. Da in diesem Fall die Arme etwas zu kurz sind, wird mit einem Heizkörperpinsel gearbeitet. Auch eine kleine Taschenlampe ist hier sehr hilfreich. Am Oberschiff kann die Verklebung zusätzlich mit Klebeband fixiert werden, so daß die überkopf verklebte Matte nicht abfallen kann.

An dieser Stelle empfiehlt es sich, den Raum zu verlassen und die Tür abzuschließen. Nur so lässt sich der Versuchung, im Minutentakt nachzusehen und die Matten nochmals anzudrücken, widerstehen.

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3. Tag: Innennaht und Oberschiff

Ist die Innenverklebung von Ober- und Unterschiff ausgehärtet, wird zuerst das Abreißgewebe entfernt. Die entstandene rauhe Oberfläche kann ohne weitere Vorbereitung erneut überklebt werden, um die Innenkanten zu schließen.

Gründlich vorbereitet werden muss hingegen die Außenverklebung am Oberschiff. Da die Abweichungen der Form hier nur sehr klein sind, reicht es aus, die zukünftige Klebestelle bis auf das Gewebe abzuschleifen, da kleinere Höhenunterschiede hierbei ausgeglichen werden. Der Spalt zwischen Boot und Heck wird, soweit erforderlich, mit Kohle- oder Kevlar-Faserstückchen ausgestopft.

Die Innenkanten werden mit Kohle-Kevlar-Matten, die wie gehabt vorgetränkt wurden, überklebt. Hierzu kann auch reines Kevlargewebe verwendet werden, das sich durch seine geringere Steifigkeit noch besser an die Innenform des Bootes anpasst. Die vorgetränkten und mit Abreißgewebe abgedeckten Matten werden mit dem Heizkörperpinsel an ihren Platz bugsiert und angedrückt.

Auf dem Oberschiff wird der Spalt zuerst mit Harz gefüllt und dann überklebt. Dabei wird eine Kohle-Kevlar-Matte und darauf, der Optik wegen, eine Kohle-Matte verarbeitet. Die Klebestelle wird mit Frischhaltefolie abgedeckt und geglättet.

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4. Tag: Unterschiff

Im nächsten Schritt ist der Spalt am Unterschiff zu überkleben. Da die Formen von Boot und Heck hier um 1 - 2 Millimeter abweichen, ist der Arbeitsaufwand bei der Vorbereitung etwas größer als am Oberschiff.

Zunächst wird wie gehabt die Klebestelle bis auf das Gewebe abgeschliffen. Die Kante wird direkt am Spalt angeschrägt, so daß sich beim Überkleben keine Stufe bildet. Verbleibende Höhenunterschiede können mit Geweberesten vor dem Überkleben unterfüttert werden. Auch hier wird der Spalt mit Kohle- oder Kevlarstückchen ausgestopft.

Analog zum Oberschiff kann jetzt auch am Unterschiff die Nahtstelle mit einer Kohle-Kevlar-Matte und einer Kohle-Matte überklebt werden. Wenn diese Klebestelle ausgehärtet ist, wird die Klebestelle voraussichtlich mindestens die gleiche Festigkeit haben wie das restliche Boot.

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5. Tag: Außennaht

Als nächstes wird auf das Heck eine Außennaht aus 2 Zentimeter breitem Kevlarband aufgeklebt. Da im Bereich der Nahtstelle die alte Außennaht entfernt wurde, wird die Nahtstelle dabei mit Kevlarband überdeckt. Dies erhöht die Stabilität der Klebestelle, da die Lücke in der Außennaht als potentielle Schwachstelle nicht über anderen Nahtstellen liegt.

Um eine gute Verbindung zwischen Boot und Außennaht zu gewährleisten, muss das Boot an der Kante bis auf das Gewebe abgeschliffen werden. Auf die angeschliffene Kante wird nun das Kevlarband auflaminiert und am Ende passgenau abgeschnitten.

Aufgrund der Krümmung der Bootskante lässt sich das Kevlarband zunächst nur schwer anlegen. Daher wird das mit Abreißgewebe abgedeckte Band mit über die Kante gespannter Frischhaltefolie an das Boot angedrückt. Das Abreißgewebe verhindert dabei, daß beim Spannen der Folie das Kevlarband verschoben wird.

Jetzt sind noch die Risse im vorderen Teil des Bootes auszubessern. Ist das erledigt, ist die Außenhaut wieder dicht und stabil und der Innenausbau kann folgen.

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6. Tag: Innenausbau

Hier sind zuerst die zerstückelten Schaumkeile in Bug und Heck zu ersetzen. Als Material dient Styropor, wie es auch original verbaut war. Um die Kontur des Bootes auf die Styroporplatte zu übertragen, wird die Platte neben dem Boot senkrecht an der Wand befestigt. Jetzt kann das Boot mit einem Anschlagwinkel abgefahren und so die Außenkontur auf die Styroporplatte übertragen werden. Zieht man davon die Wandstärke, in der Regel 4 bis 5 Millimeter, ab, so wird daraus die Innenkontur. Somit kann der Schaumkeil, zum Beispiel mit einer Stichsäge, ausgeschnitten, anprobiert und nachgearbeitet werden.

Zum Einkleben der Schaumkeile wird die Harzmischung mit Schaumtreibmittel versetzt. Dadurch schäumt sie vor dem Aushärten auf, dehnt sich aus und füllt so Hohlräume zwischen Boot und Schaumkeil, wodurch sich eine flächige Verklebung ergibt.

Die Stirnseiten der Schaumkeile werden jetzt mit Kevlarband überklebt und so zusätzlich im Boot befestigt. Anschließend kann der Sitz wieder verschraubt und eingeklebt werden.

Hiermit ist das Boot wieder einsatzbereit. Am siebten Tag kann also wahlweise geruht, gepaddelt oder die Werkstatt aufgeräumt und gereinigt werden.

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